Reisen, Transsib-Tagebuch

Eine Packliste für den Kopf

Wandern im Nebel

Vor einer großen Reise muss man sich Gedanken über das nötige Gepäck machen. Man muss sich genau überlegen, was man mitnehmen und was man Zuhause lassen möchte. Wenn man dann auch noch vor und während der Reise vor hat zu bloggen, dann gehört es sich natürlich auf ebendiesem Blog eine Packliste zu veröffentlichen.

Da es aber schon unzählige Artikel über den richtigen Rucksack, die richtige Ausrüstung und die Menge an Klopapier gibt, die man auf Reisen mitnehmen soll, spare ich mir einen solchen Post. Ganz ehrlich? Ich hab keine Ahnung, ob ich richtig gepackt habe. Vielleicht geht das auch gar nicht. Wenn wir 6 Wochen lang regnerisches und kühles Wetter haben, werde ich mich ärgern, weil ich nur einen warmen Pullover dabei habe. Wenn wir in eine Hitzewelle geraten, werde ich mich ärgern über die wenigen T-Shirts, die ich eingepackt habe. Will sagen: ich habe versucht mich auf alles vorzubereiten. Wenn alles nicht eintrifft, sondern dafür Etwas ganz extrem, habe ich Pech gehabt.

Was ich aber ganz sicher immer dabeihaben werde, bin ich selber. Ich habe die, vielleicht etwas hochgegriffene Erwartung, mich auch auf der verstaubten Mongolischen Landstraße neben dem kaputten Jeep in der Mittagshitze noch leiden zu können.

Des Weiteren möchte ich, und ich weiß, das wollen viele, nach dieser Reise nicht nur erfahrungsreicher sondern auch ein bisschen klüger sein.

Dafür also folgende Packliste:

Neugier

Das versteht sich irgendwie von selbst. Ohne eine Riesenportion Neugier, hätten wir uns wohl eher für Strandurlaub in der DomRep entschieden. Neugier gehört ins Gepäck. Schon jetzt bin ich gespannt auf die Menschen, die uns begegnen werden, auf die Orte, die wir sehen werden und auf das, was wir lernen werden über die Länder, die wir bereisen. Und wie lebt man eigentlich in einer Jurte? Wie fühlt sich der Baikalsee im Winter an? Wer werden unsere Reisegefährten im 3. Klasse Transsibwagon sein?

Aber nicht nur das will ich wissen. Ich will auch wissen, was die Erfahrung mit mir macht. Wie stelle ich mich an beim Zurechtfinden in einer Riesenstadt wie Moskau? Was wird das Leben im Zug mit mir machen? Und werde ich einige von den Fragen, die ich bezüglich meines eigenen Lebens mit mir herumtrage, beantworten können?

Offenheit

Wir alle haben so unendlich viele Bilder im Kopf und sind bis obenhin vollgestopft mit Vorurteilen. Ein paar Schubladen brauchen wir sicher zur Orientierung. Ich will aber trotzdem versuchen mich möglichst frei von Erwartungen und Annahmen zu machen und offen sein für alles Unerwartete, das uns unterwegs begegnet. Denn da fängt doch das Abenteuer an. In den Dingen, die uns überraschend passieren und die wir trotzdem offen annehmen können.

Gelassenheit

Gelassenheit ist in meinem imaginären Rucksack in etwa so essenziell, wie im „echten“ Rucksack die Bücher. Ohne fahre ich nicht los. Ohne ist die ganze Reise nichts wert. (Wenn du keine Leseratte bist, ersetze Bücher gerne durch Salz und den Rucksack durch Suppe). Gelassenheit kann aus Stresssituationen Abenteuer und aus schnarchenden Bettnachbarn neue Freunde machen!

Fröhlichkeit

Die kommt von ganz alleine und hängt sich von außen an den Rucksack, denn wie könnte sie Zuhause bleiben? Wenn man die Möglichkeit hat eine solche große und wunderbare Reise zu unternehmen? Was für ein Glück und was für ein Privileg!

Vertrauen

Auf all meinen vorherigen Reisen habe ich nie schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht. Das lag zum einen daran, dass wir Menschen gar nicht so hinterhältig und böse sind, wie wir uns selbst oft darstellen, aber es lag auch daran, dass ich mit vollstem Vertrauen um Hilfe gebeten habe, in fremde Autos gestiegen bin oder nach Informationen gefragt habe. Am Ende, und manchmal ist das Ende ein anderer Zeitpunkt als der, den wir dafür hielten, am Ende wird alles gut.

Was ich Zuhause lasse

Einige Dinge, die sich im Alltag doch leider manchmal einschleichen, nehme ich nicht mit. Auf gar keinen Fall!

Angst

Angst hat auf Reisen nichts zu suchen. Im schlimmsten Fall hindert sie einen sogar daran ins Flugzeug zu steigen. Nur, wenn ich frei von Angst bin, kann ich alle oben genannten Gepäckstücke überhaupt mitnehmen. Und wenn sie sich doch mal einschleicht? Wird sie ignoriert.

Keine Sorge, ich werde nicht dem Leichtsinn frönen, aber Angst lähmt und bringt uns um die schönsten Erfahrungen. Die Vorsicht, die darf ab und zu vorbeischauen!

Misstrauen

Misstrauen macht uns verschlossen und unehrlich und damit kommt man auf Reisen nicht weit. Wir alle spüren Misstrauen, wenn es uns entgegengebracht wird und wissen, wie unglücklich es uns machen kann. Gerade, wenn wir selbst vorhatten herzlich und offen auf den anderen zuzugehen. Unterwegs steht das Misstrauen neuen Freundschaften und echten Begegnungen im Weg, deswegen bleibt es nicht nur Zuhause, sondern wird am Besten direkt entsorgt.

Trägheit

Klar soll man sich auch erholen im Urlaub und das habe ich definitiv vor. Wenn es aber was zu erleben gibt, dann will ich dabei sein. Egal ob ich gerade den ganzen Tag geritten oder gewandert bin oder die ganze Nacht schlecht geschlafen habe. Einmalige Gelegenheiten kommen nicht wieder, deswegen heißen sie ja so und ich werde mir keine entgehen lassen nur weil ich Blasen an den Füßen habe, basta!

Kleinlichkeit

Ich reise nicht alleine sondern mit meinem Partner, den ich auch nach der Reise noch mögen möchte. Auf Reisen passieren Fehler und Missgeschicke und das gehört dazu. Ich werde also jeglichen Anflug von „Wieso hast du denn nicht…“ und „Deinetwegen müssen wir jetzt…“ Zuhause lassen. Dafür hab ich mir ja die Gelassenheit eingepackt, die wiegt auch nicht so viel.

 Hab ich was vergessen? Was würdest Du noch mitnehmen?

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