Indonesien, Reisen

Ubud – Feuertanz und Kokosnuss

„Dance, dance, traditional dance performance!“ ruft die Frau und blickt uns erwartungsvoll an, während wir im Schein der Straßenlaterne versuchen die Tickets zu entziffern, die sie uns unter die Nase hält „Kecak, Fire and Trance Dance“ steht da.

Viel schlauer sind wir jetzt nicht, aber was mit Feuer klingt ja schon mal spannend. „Sollen wir?“ frage ich den Fotografen und nehme noch einen Schluck aus der Kokosnuss, die wir eben gekauft haben. Ob man die wohl mit rein nehmen darf? Natürlich darf man. Die Frau steckt unser Geld ein und winkt uns über die Straße in einen Tempel hinein. Dort sitzen bereits mehrere Touristen auf Plastikstühlen und halten erwartungsvoll ihre Smartphones in der Hand. Gleich soll es losgehen.

In unserer Mitte steht ein großer Leuchter und wirft flackernde Schatten in die Menge. Plötzlich tut sich was. Eine große Gruppe von Männern, lediglich mit Sarongs bekleidet, strömen die Tempeltreppe hinab und geben rhythmischen Gesang von sich. Sie versammeln sich im Kreis um das Feuer und bilden mit ihren Stimmen manchmal einen Chor und manchmal eher eine Percussiongruppe. Sie scheinen das Feuer zu beschwören. Der Kerzenschein tanzt auf ihren Gesichtern.

Keine Ahnung, wie lange wir dem auf- und abschwellenden Gesang gelauscht haben, aber irgendwann kommen zwei Mädchen die Treppe herunter. Sie umkreisen das Feuer und einander. Jede Bewegung und jeder Gesichtsausdruck ist bewusst gewählt. Es geht weiter und es kommt noch ein Mädchen mit Pfeil und Bogen. Irgendwann kommt ein Clown und dann ein Affenkönig. Ein Maharadscha, eine Prinzessin. Die Männer begleiten all dies mit Rhythmus und erzählendem Gesang. Wir verstehen natürlich kein Wort. So dass für uns nur Gefühle sichtbar werden. Die Mädchen streiten sich, der Maharadscha ist wütend. Der eine Clown findet das lustig, der andere hat Angst. Die singenden Männer legen sich hin, stehen wieder auf. Versammeln sich um den Affenkönig und dann um den Clown. Obwohl ich der Geschichte nicht wirklich folgen kann, finde ich das Ganze trotzdem irgendwie spannend. Es gibt dann noch einen zweiten Akt in dem ein Frauenchor und zwei weitere junge Tänzerinnen auftreten. Dann gehen alle wieder und wir fragen uns, ob jetzt alles vorbei ist?

Ein alter Mann schlurft herein. Er zieht einen vollen Sack hinter sich her und hält eine Flasche in der Hand. Als er in der Mitte des Tempels angekommen ist, dort, wo bis eben noch der Leuchter stand, leert er den Sack einfach aus. Es sind Kokosnussschalen. Dann kippt er die Flasche (wahrscheinlich Brennspiritus!) darüber aus. Inzwischen hat der Männerchor oberhalb der Treppe platzgenommen. Der alte Mann setzt den Haufen in Brand und sprüht hier und da noch etwas Spiritus in die Flammen. Uns wird warm.

Die Männer beginnen zu singen und die Treppe hinab kommt ein Mann mit einer Art Steckenpferd. Er tanzt um das Feuer herum und kommt so dicht, dass Schweif und Mähne des Pferdes, die aus Bast bestehen, fast in Flammen aufgehen. Zwischendurch tritt er mit seinen bloßen Füßen gegen die brennenden Schalen, so dass diese ungebremst in die Zuschauerreihen sausen. Nachdem alle Schalen auf diese Art und Weise im Tempel verteilt wurden, fegt der alte Mann sie wieder zusammen und das Spiel geht von vorne los. Wir sitzen in der ersten Reihe und genau wie unsere Sitznachbarn, lassen wir unsere Füße nicht mehr den Boden berühren. Vier – Fünf Mal wiederholt sich das Kicken und anschließende Fegen und ich bin kurz davor zu gehen aus Angst, dass doch eine der brennenden Schalen mal ein bisschen höher fliegt. Doch dann glühen nur noch ein Paar der Schalen und der Steckenpferdmann wirft das Pferd von sich und bricht zusammen. Das Spiel ist vorbei. Das Licht geht an, wir können die Füße wieder ausstrecken und die Tanzgruppe verbeugt sich.

„Verrückt“ murmele ich vor mich hin und nehme noch einen Schluck aus der Kokosnuss.

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