Leben

Wie das mit dem Kinderwunsch kam und wie es sich jetzt anfühlt

„Und außerdem gibt es doch schon genug Menschen auf der Welt. Die Weltbevölkerung wächst und wächst, wieso sollte man da noch Kinder in die Welt setzen? Ist es nicht auch irgendwie egoistisch sich unbedingt fortpflanzen zu wollen? Und überhaupt, ich will auch nicht neun Monate schwanger sein wenn die einzigen Gründe pro Kind, die mir einfallen sind, dass ich im Alter nicht alleine sein will und dass ich Kinder ganz niedlich finde“ beendet meine Freundin ihren Monolog und blickt erwartungsvoll in die Runde.

Ich muss innerlich ein bisschen schmunzeln, weil ich in der Vergangenheit schon mehrmals denselben Monolog gehalten habe. Gleichzeitig spüre ich, wie mein kleiner Sohn mir gegen die Blase tritt, als wollte er mich dazu auffordern nun als einzige Schwangere in der Runde doch bitte seine Existenz zu verteidigen und auch meinen Senf dazuzugeben.

„Ist es denn nicht immer egoistisch Entscheidungen, die dich selbst und dein Leben betreffen zu fällen? Und sollte das nicht auch so sein?“ beginne ich zögernd und höre dann weiter zu, wie die Gruppe sich über die unterschiedlichen Arten von Egoismus austauscht. Ich muss erstmal selbst verstehen, wieso für mich die Argumente meiner Freundin plötzlich nicht mehr wahr sind.

Vielleicht weil mein Kind seit dem Moment in dem ich ihn als pulsierendes Pünktchen auf dem Ultraschall sehen konnte, kein abstraktes Wesen mehr ist. Er ist jetzt nicht mehr einfach nur ein Kind mit dem man die Erde bevölkert, das in der U-Bahn laut und nervig herumkrähen wird, das mir meinen Körper klaut, ihn mir am Ende fett und ausgelaugt wieder vor die Füße wirft und mich für immer meines Schlafes und meiner Freizeit berauben wird. So ungefähr sah es in meinem Kopf aus, bevor ich mich dazu entschloss schwanger werden zu wollen. Klar dachte ich auch an die schönen Seiten. Daran das Kinder ja ganz niedlich sind und man ja auch viel zurückbekommt. Im Großen und Ganzen stellte ich mich aber auf das Schlimmste ein. „Nur zu Sicherheit, damit man dann am Ende nicht enttäuscht ist“, sagte ich mir.

Wieso ich trotzdem beschloss ein Kind zu bekommen? Aus dem ganz egoistischen Grund mir diese besondere, lebensverändernde, existenzielle Erfahrung nicht entgehen zu lassen. Man lebt ja schließlich nur einmal auf dieser wunderbaren Welt. Warum soll man der Achterbahnfahrt Leben nicht noch ein, zwei Loopings hinzufügen, wenn man schon die Möglichkeit hat?

Ich war also auf Schlimmes vorbereitet und auf das Schöne, was gerade tatsächlich täglich passiert überhaupt nicht: Das ich dieses kleine Wesen jetzt schon kennenlerne und das jeder winzige Entwicklungsschritt ein großes Wunder ist. Das meine Schwangerschaft mich zum Wahrheitsmonster macht und mich dazu zwingt mich und meinen Körper so zu lieben und zu pflegen, wie ich es mir noch nie zuvor erlaubt habe. Das mein Partner jedes Mal glänzende Augen bekommt, wenn sein Sohn auf seine Stimme reagiert und ihm aufmunternd gegen die Hand boxt. Das das Leben selbst ein großes Wunder ist und ich jetzt das Gefühl habe intensiv daran teilhaben zu dürfen. Das es ein Riesenprivileg ist dieses Menschlein, das ab jetzt und wahrscheinlich (hoffentlich) bis über meinen Tod hinaus existieren wird, zu begleiten.

Klar war da auch Übelkeit und natürlich fühle ich mich schon jetzt manchmal wie eine behäbige Seekuh und klar sind da Ängste und kleine Weltuntergänge, wenn mal jemand am Telefon unfreundlich zu mir ist. Aber eine Achterbahn ohne Talfahrten ist ja auch recht langweilig.

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